Montag, 31. Dezember 2012

Pinus sylvestris - Wald-Kiefer (121)


Familie: PINACEAE
Gattung: Pinus


Das hat mit der Wald-Kiefer gerade noch so geklappt. Der regional vorherrschende Nadelbaum kommt im FAS ebenso selten vor, wie der bedeutendste Laubbaum Fagus sylvatica - ein wenig kurios ist das schon. Zwei kleine Bäumchen habe ich bisher entdecken können, welche zu dieser bedeutenden Baumart in unserer Gegend gehören. Die Beiden leben dicht zusammen, gemeinsam mit Ulmus und Taxus. Auf dem Foto des Stammes können wir diese umschlungene Nähe erahnen. Womit wir gleich bei der Beschreibung sind. Pinus sylvestris hat eine rötliche Schuppenborke von welcher sich obere Teile wie Papier ablösen lassen. Beschreibungen in der Fachliteratur nennen daneben auch Platten- und Muschelborke - abhängig vom Alter. Die Nadeln stehen zu zweit in einer Nadelscheide und sind gedreht. Bei den an meinen Bäumen gemessenen Nadeln habe sie eine Länge von 6 - 7 cm. Vom Blattgrund, also dort wo sie am Zweig angewachsen sind, bis zur Spitze schaffen sie eine volle 360 Grad-Drehung. Ihre Farbe ist grün, mit einem Stich ins Blaue. Sie sind ganz leicht gezähnt. Das merkt man wenn man mit den Fingern in Richtung Blattgrund an ihnen herabfährt.






Die Zapfen sind bis zu 8 cm lang und messen 2/3 ihrer Länge in der Breite. Geöffnet sind ihre Zapfenschuppen weit zurückgebogen. Bei den frischen Zapfen, wie an einem "meiner" Exemplare haben die Schuppen pyramidenförmige Höcker, mit leicht nach innen gebogenen Seiten.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Parthenocissus tricuspidata - Dreispitzige Jungfernrebe (120)


Familie: VITACEAE
Gattung: Parthenocissus


ein paar welke Blätter hängen noch. Oben eingeklinkt die
Spreite eines dreispitzigen Blätter.


wie kleine Glühlampen in einer Fassung wirken die
blauen, bereiften Früchte.

























auch im Winter kann man weitere Gehölze vorstellen, selbst wenn diese sommergrün sind, sich also von ihren Blättern getrennt haben. Die Hauptsache man erkennt Merkmale der Bestimmung. Parthenocissus tricuspidata ist auch jetzt gut zu identifizieren. Es sind vor allem die Haftscheiben und die blauen Früchte welche mir den Weg zur Bestimmung wiesen. Zur Sicherheit hat mir Jungfer Rebe noch einige der bis über 10 cm großen und sehr lang gestielten Blätter, wenn auch nur in getrockneter Form hinterlassen. Die Blätter, der aus Asien stammenden Kletterin haben charakteristische drei Spitzen und sehen dadurch aus, wie ein verhindertes Platanenblatt, welchem die äußeren Spitzen fehlen. Die fremdländische Herkunft, macht den Vögeln überhaupt nichts aus. Besonders Amseln lassen sich jetzt beim Pflücken der Früchte beobachten. Dabei verhalten sie sich fast wie Kolibris im Schwebeflug, um an die Früchte zu gelangen.
Mit ihren kleinen, 6 bis 10 Haftscheiben je Trieb, kann der Strauch Höhen bis zu 20 m erklimmen. Das macht ihn gut geeignet um Fassaden zu begrünen. Ohne zusätzliche Rankhilfen anbieten zu müssen.
Die Haftscheiben wirken auf mich wie Lötpunkte auf einer Leiterplatte. Wenn man dazu noch die Früchte in Form von Glühlämpchen sieht, ist man geneigt nach dem Schalter zu suchen, mit welchem man das blaue Licht an- und ausschalten kann. Passend dazu erschien im aktuellen PM-Magazin ein Artikel zu blauem Licht. Danach ist blaues Licht hilfreich gegen Winterdepressionen und fördert Denkleistungen. Denk mal an!

Im englischen heißt die Pflanze auch Japanese creeper. Warum ich das erzähle? Ein verwandter Parthenocissus stammt aus Amerika. Dieser heißt Virginia creeper. Und das erklärt gewissermaßen den deutschen Begriff Jungfernrebe. 


Montag, 24. Dezember 2012

Positive Signale?

Positive Signale. So sollte ein für Anfang Januar geplanter Beitrag im Blog heißen. Ich habe mich geirrt, es gibt diese Signale leider nicht. Worum geht es? 
Nach dem Laubabwurf wurden die Blätter mit viel Getöse zu Haufen zusammengeblasen und wenig später abtransportiert. Damit den hiesigen Bäumen der Humus und manch Tier das Winterquartier entzogen. Bis vor ungefähr einer Woche, lagen allerdings noch einige größere und kleinere Laubhaufen da. Daraus hatte ich die Folgerung gezogen, dass hier ein wenig mitgedacht wurde, um z.B. Igeln einen ruhigen und warmen Ort zu bieten. Da habe ich mich aber sehr geirrt. Zu befürchten ist, dass sich manch Igel auch geirrt hat und mit auf den Transporter geschaufelt wurde. Denn die Haufen sind weg. Das Foto zeigt einen der Plätze, an welchem vor kurzem noch ein Laubhaufen lag. Das lässt sich leider nicht rückgängig machen. 


Ich jedenfalls werde mich gleich am Anfang des Jahres an das Naturschutz- und Grünflächenamt wenden und vorschlagen, im nächsten Jahr gezielt solche Verstecke anzulegen. Ausreichend abgeschnittene Äste und Laub wird auch im nächsten Jahr wieder verfügbar sein. Diese Orte sollte man dann auch beschildern.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Cuppressocyparis leylandii - Leyland-Zypresse (119)


Familie: CUPRESSACEAE
Gattung: Cupressocyparis


Ganz kurz vor dem Fest der Liebe, noch eine ganz große und vor allem wahre Liebesgeschichte. Cupressus macrocarpa (Monterey-Zypresse) und Chamaecyparis nootkatensis (Notka-Scheinzypresse) stammen beide aus Nordamerika. Kennen- und lieben gelernt haben sie sich allerdings in der der alten Welt, in Old England. Passenderweise im Park. Wie das eben so passiert. Man lebt jahrelang in der gleichen Stadt, lernt sich aber erst bei einer Reise in der Fremde kennen. Die Liebe blieb nicht nur platonisch. Curessocyparis leylandii ist die Folge der handgreiflichen Vereinigung der Liebesleute. Vor Rührung kommen mir da fast die Tränen und ich frage mich, warum hat man in Stechpalmenwald noch keinen Film aus dieser Lovestory gemacht? Ich kann da nur vermuten, dass Nadelbäume bei den Stechpalmen einfach keine Lobby haben.

Einige der Nachkommen, sozusagen Urenkel dieser Verbindung leben hier am Rande des FAS. Die Geburt dieses Beitrages, war eine sehr schwere, jedoch nicht schmerzhaft. Viele Freunde aus dem Baumforum trugen dazu bei, dass ich jetzt sage: "ja es ist eine Leyland-Zypresse".



Bislang haben mir alle im FAS auffindbaren Bäume dieser Art, mir die Herausgabe von Zapfen verweigert. Mit diesen wäre es nämlich erheblich leichter, eine Zuordnung zu treffen.



Donnerstag, 20. Dezember 2012

neues aus dem Kiez

Ansicht in Richtung Frankfurter Allee. Ganz links übrigens der Freundeskreis
Gemunkelt wird darüber schon seit längerem. Am 5.12. gab es dazu eine Bürgerversammlung.  Und in der aktuellen Berliner Woche (Ausgabe 51) befindet sich auf Seite 3 ein recht ausführlicher Artikel zum Thema.  An Stelle des alten Marktes, soll ein neuer KAISERS Markt entstehen, unmittelbar daneben ein neuer ALDI, für welchen der an der Buchberger Straße aufgegeben werden soll. So weit so gut.
Und was hat das mit dem Arboretum und Gehölzen allgemein zu tun? Nun, Bauarbeiten führen in aller Regel dazu, das im Wege stehende Bäume und Sträucher beseitigt werden. Größere Bäume können manchmal das Glück haben gewissen Schutz zu genießen. Die Baumschutzverordnung sagt etwas dazu. Mit Sträuchern und kleinen Bäumen wird da, nach meinen Beobachtungen wenig Federlesens gemacht. Aber auch den Größeren hilft es nicht unbedingt direkt. Es müssen nur Ersatz-Pflanzungen her. Für einen 1,50 m Ahorn z.B. 2 Bäume. Ersatz sind die dann aber erst in vielleicht 30 Jahren. Dem gefällten Baum hilft das soviel, als würde ich einem Sterbenden erklären, das zur Zeit seines Todes auch Kinder geboren werden.

Im konkreten Fall kommt noch ein zweiter Aspekt dazu.  Die 10.000 Einwohner des Wohngebietes genügen offensichtlich nicht, um den Standort des Marktes als des Erhaltens würdig auszuweisen. Da sucht man nach Möglichkeiten weitere Kundenkreise zu erschließen. Dafür, soll an Stelle des jetzigen Fußweges zur Frankfurter Allee eine KFZ-Zufahrt entstehen, um stadtauswärts fahrenden Berufspendlern den Zugang zu ermöglichen. Da höre ich buchstäblich die berühmte Nachtigall trapsen. Der Weg ist nämlich von Bäumen und Sträuchern gesäumt, von welchen dann einige weichen müssen.
Ich habe also beim Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung nachgefragt und meine Befürchtungen wurden bestätigt. Zwei Bäume werden dafür gefällt. Ich vermute einmal, es sind die beiden Acer in Bildmitte. Ein Silber- und ein sehr schöner Berg-Ahorn. Schade. Ich werde das auf jeden Fall weiter beobachten. Mein Gefühl sagt mir nämlich, bei der Fällung von zwei Bäumen bleibt es nicht.  Zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit, werden die dann links und rechts der Zufahrt stehenden Bäume auch noch auf einen guten Teil ihrer Krone verzichten müssen.

Dienstag, 18. Dezember 2012

Viscum album - Weißbeerige Mistel (118)


Familie: SANTALACEAE
Gattung: Viscum


Durch den inzwischen vollzogenen Laubabwurf seitens der Laubbäume im FAS-Arboretum, wird eine Menge Neues ans Tageslicht gebracht. Unschönes, Interessantes und Verstecktes. Versteckt hatten die Tiere ihre Wohnungen. Viele Nester der Singvögel sind jetzt sichtbar geworden und auch die Kobel der Eichhörnchen hoch oben in den Baumkronen. Unschön ist, das man nun sieht, wie brutal und unqualifiziert viele Bäume verschnitten wurden. Wir können von Glück reden, dass Bäume nicht laut schreien, sondern geräuschlos leiden und versuchen die Schäden zu reparieren und gegen Parasiten und Pilzbefall zu sichern. 


Auch habe ich jetzt Misteln entdeckt. Schon geraume Zeit, hatte ich nach diesen interessanten Halbparasiten gesucht, welche im Laub der Bäume für mich verborgen waren. Was wohl als Zeichen von Baumgesundheit zu werten ist, da das Laub blickdicht war. Aber möglicherweise war ich auch nur unaufmerksam. Misteln sind Halbparasiten, weil sie sich nicht vollständig sondern eben nur halb vom Wirt ernähren lassen. Von diesem besorgen sie das Wasser, verzichten also auf ein eigenes, im Erdreich nach Wasser und Nährstoffen schöpfendes Wurzelsystem. Sie schlagen ihre Wurzeln in den Ast eines Wirtsbaumes. Hier im FAS habe ich bislang 3 Misteln entdeckt. Diese sind beim Wirt Pappel untergekommen. Aus den Leitbündeln der Wirte ziehen sie sich die erforderliche Flüssigkeit und Mineralien. Photosysnthese betreiben Misteln mit ihren immergrünen Blättern selbst. Das ist ihr Eigenanteil an Versorgung. Wie sie das mit dem Wasser im Winter machen, ist mir unklar. Denn der Wirt schläft ja und kann kein Wasser bringen.


Vermutlich trinkt sie aber im Winter gar nicht und hält die Blätter nur für den Frühling vor. So ist sie ohne mühevolle und Energie aufwendige Blattproduktion sofort wieder da.
Mir stellt sich auch die Frage, warum der Baum solche Mitesser eigentlich duldet und nicht im Verlauf der langen Entwicklungsgeschichte, Mittel gegen die Misteln fand und umsetzte. Ich denke, es ist die Weisheit des Alters, einer schon sehr lange existierenden Lebensform. Leben und leben lassen. Auch Misteln gehören, wie die sich vom Blatt ernährende Raupe zum Lebenskreislauf und werden daher geduldet. So habe ich die Hoffnung, das der Mensch auch nur noch ein paar dutzend Millionen Jahre benötigt, um diese Stufe der Weisheit zu erlangen.
Ein gesunder Baum dürfte mit ein oder zwei Misteln schon zurande kommen. Allerdings ist kaum einer meiner Bäume wirklich gesund. Besonders die Pappeln, sind von einer starken menschlichen Beschnittwut befallen.

Entsprechend der Luftbild gestützten Kronenanalyse der Straßenbäume Berlins sind diese zu 40 Prozent geschädigt. Also nur 6 von 10 Bäumen werden offiziell als gesund eingeschätzt. Die Vollversammlung der Bäume, so fürchte ich, würde noch heftigere Zahlen angeben. Dieses Gremium wurde aber sicher nicht befragt.

Die Mistel wächst kugelförmig und erreicht Durchmesser von etwa einem Meter. Weil ich nicht wirklich nahe an die Pflanzen heran komme, schenke ich mir weitere Beschreibungungen, etwa von Blattform und Blattaufbau.*
Da es nicht mehr weit bis zum Weihnachtsfest ist, kann man aber anmerken, dass es in manchen Ländern den komischen Brauch gibt, sich unter einem Mistelzweig zu küssen. Passender zur Mistel finde ich die nordische Sage, nach welcher Gott Balder mit einem, als Pfeil abgeschossenen Mistelzweig getötet wird. Was sagt uns das? Man sollte auch die Kleinen ernst nehmen! Und viele Misteln töten auch den Gott Baum. Aber ein gewisser Zusammenhang besteht schon zwischen der Sage und dem Brauch. Die Mutter Balders, welche vergaß die Mistel zu bitten, ihrem Sohn keinen Schaden zuzufügen, war Frigga. Diese ist sozusagen die Venus der nordischen Völker. Welche ja ebenso wie das Küssen, etwas mit Liebe zu tun hat. Also Leute:  küsst Euch. Nicht nur zu Weihnachten und auch ohne eine Mistel über sich zu haben.


* im April 2013, habe ich beim spazieren eine 4te Mistel entdeckt. Da diese in Reichweite meiner Billigkamera liegt, kann ich nun auch ein Bild mit Blättern und den weißen Früchten anbieten.


Freitag, 14. Dezember 2012

Schräge Typen. Noch einmal.


In einem Beitrag hatte ich zwei schräge Typen vorgestellt. Dazu kann ich heute ein schönes ergänzendes Bild liefern. 


Pflanzen sind im allgemeinen Gravitrop (sie richten sich nach der Schwerkraft) und Phototrop, was bedeutet, sie suchen das Licht. Bei Blumen können wir letzteres schön beobachten, wenn diese ihre Köpfe nach der Sonne ausrichten, als wollten sie ein Sonnenbad nehmen. Bei Bäumen nehmen wir diese Tropie einfach so hin, ohne das groß zu beachten. Die zwei Bäume auf dem Spielplatz haben es mit dem extremen Ausleben ihrer Phototropie in meinen Blog geschafft. Beim abgebildeten Acer habe ich einen Abweichung um 70 Grad von der Senkrechten gemessen. Toll wie der das schafft.
Nachdem die beiden und auch deren aufrecht wachsenden Nachbarn, ihr Laubkleid abgelegt haben, sehen  wir es noch deutlicher, warum sie diese Richtung gewählt haben. Genau dort ist nämlich eine Lücke zwischen zwei großen Häusern. Durch die Schräglage bekommen sie mehr Licht ab. Bringen sich allerdings auch in Lebensgefahr. Denn sie könnten ja eine Gefährdung darstellen. Zum Glück ist dort nur ein Spiel- und kein Parkplatz.
Was keineswegs heißen soll, ich betrachte sie als Gefährdung und möchte das diese Bäume gefällt werden - sie sollen zu ihrem eigenen Wohl und zur Freude der spielenden Kinder noch lange stehen bleiben. Denn die unmittelbare Gefahr eines "Umsturzes" besteht nach meiner Ansicht nicht. Eine Gefährdungssituation durch Straßenbäume wird wahrscheinlich häufig lediglich (sicherheitshalber) angenommen. Als gefährlich eingestufte Bäume deshalb, zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit mit der Säge übel zugerichtet und im Extremfall entfernt. Quasi getötet.  (Erstveröffentlichung am 3.12.2012)



Ich hoffe der Baum überlebt diesen im zweiten Bild zu sehenden vorgenommenen Rückschnitt. Jedenfalls wird es im Frühjahr keine angenehmes Erwachen für unseren Freund. Die Aufnahme entstand am 14.12., also etwa zwei Wochen nach dem oberen Foto, als die Äste noch nicht so stark eingekürzt waren.








Samenbanken, Inkubator und Kinderkrippe

Ahorn behangen mit seinen Spaltfrüchen
Auch die Linde kann sich vom Nachwuchs nicht trennen







































die Klee-Ulme kann das auch
die Bäume haben offenbar sehr unterschiedliche Strategien, mit ihren ungeborenen Kindern umzugehen. Bei manchen Arten hängen diese jetzt immer noch am Baum und geben diesen darum ein ganz eigenartiges Aussehen. Zu sehen ist das bei mir im FAS vor allem bei Platanus, Tilia und Acer. Bei letzterem tut sich besonders Acer negundo - Eschen-Ahorn mit dieser Eigenart hervor. Aber auch Berg- und Feld-Ahorn halten ihren Nachwuchs noch bei sich. Die Spitz-Ahorn stehen alle ganz kahl und feiern das Weihnachtsfest ohne die Kinderchen, welche schon alle ausgeflogen sind.
Mal beobachten, wie lange die anderen noch abhängen!
Da die Bäume eigentlich in ihrem wohlverdienten Winterschlaf sind, müssen sie wohl die Automatik auf "Winterabwurf" eingestellt haben oder zwischendurch mal aufwachen. Als im 3-Schichtdienst Arbeitender, kenne ich das Problem, mit dem nicht durchschlafen können zur Genüge. Ansonsten müssen die Embryos bis zum Frühjahr warten.

Montag, 10. Dezember 2012

Euonymus japonikus - japanischer Spindelstrauch (117)


Familie: CELASTRACAE
Gattung: Euonymus


wieder mal ein Strauch aus der Japan-Fraktion. Der Name verrät uns das schon, wie er uns ebenso mitteilt, dass er ein enger Verwandter des Pfaffenhütchen ist. Im Gegensatz zu unserem heimische Spindelbaum ist der Kumpel aus Japan immergrün. Das lässt ihn jetzt unter vielen anderen Gehölzen hervortreten und verschafft ihm erhöhte Aufmerksamkeit. Na ja, nicht von sehr vielen der vorbeihastenden Menschen, aber wenigstens von mir. Groß wird der Strauch nicht, nur bei ganz wenigen im FAS zu sehenden Exemplaren muss ich mich nicht japanisch verbeugen um ein Foto zu machen.
Deutlich erkennen wir bei Euonymus japonikus die als End- und Achselknospen gebildeten Knospen für die Weiterentwicklung des Strauches.



Die Früchte erwecken ein gewisses Aufsehen, da diese korallenfarbig aus einem weißen Mantel drängen. Gezähnt präsentieren sich die Blätter, welche sich lederartig anfühlen. Sie wachsen gegenständig. Ihre Blattspreite geht keilförmig aus dem Stiel hervor, welcher stark gebogen ist, so das die Blätter wie hängende Ohren wirken. Von mir vermessene Blätter sind um die 7 cm lang und 4,5 cm breit.







Triebe und Blätter sind deutlich gegenständig - in den Ebenen immer um 90 Grad gedreht. Auf dem rechten Bild ist das schön zu erkennen. Das gehört sicherlich zur Strategie der Pflanze. Dadurch erhalten die Blätter mehr Sonnenlicht, da die gegenseitige Abschattung geringer ausfällt.


Bei den jetzigen Temperaturen von 10 Grad unter Null, werden die Sträucher sicherlich frieren. Um einer Zerstörung der Zellen entgegen zu wirken, produzierensi Glyzerin - als Frostschutzmittel. Wir kennen das in Kühlsystemen der Kraftfahrzeuge und als Frostschutzzusatz für deren Scheibenwaschanlagen. Wie man am Foto sieht, geht das bei den Blättern ein wenig auf Kosten der Spannkraft. Deshalb hängen die "Ohren" bei sehr kaltem Wetter noch stärker als sonst und haben sich sogar eingerollt, so als wollten sich die Blätter gegenseitig wärmen. Bei -3 Grad habe ich das nochmals überprüft. Die Blätter haben wieder ihre frühere Position eingenommen.



Donnerstag, 6. Dezember 2012

lauschende Bäume

Nein. Diesmal nicht dem Gesang von Orpheus, sondern der lauten Geräuschwelt unseres technischen Zeitalters. Dieses eigentlich auch nur als Beispiel für Sinne, um die Umwelt wahrzunehmen. Wir Menschen haben diesen Sinnen jeweils, für uns verständlichen Namen gegeben. Tasten, Riechen, Schmecken, Sehen und Hören. Das diese Einteilung nur sehr grob ist und die Wahrnehmung nicht vollständig darstellen kann, erkennen wir bereits darin, dass heutzutage weitere Sinne Erwähnung finden - so eben der Gleichgewichtssinn und der Temperatursinn. Instinktiv wenden wir unserer Erkenntniswelt auch auf anderer Lebewesen an, fragen also "können Bäume hören und riechen?" Ich sage dazu mal ganz pauschal: na sicher! Nicht nur bei uns Menschen, sondern auch auch bei allen anderen Lebewesen, setzt sich die Ansicht der Umwelt aus einem Komplex von Wahrnehmungen zusammen, sie entsteht praktisch erst im Gehirn. Ohne solche Ansicht, ist eine Interaktion mit der Umwelt nicht möglich. Wie die einzelnen Sinne dabei heißen, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur ob und welches "Bild" durch Rezeptoren übermittelte Umweltreize entsteht. Bei Pflanzen ist das nicht anders, ob wir ihnen das zugestehen oder nicht. Pflanzen nehmen die Umwelt war und organisieren entsprechen dieser Wahrnehmung ihr Leben. Ob das Gehirn dabei eine zentrale Masse ist oder dessen Funktionen anders verteilt und organisiert sind, ist nebensächlich.

drei Acer im Gespräch. Als Verwandte haben sie sich darauf verständigt, friedlich zusammen
zu leben. In der Vegetationsperiode wird auch im nächsten Jahr eine gemeinsame Krone
gebildet. Tilia in ihrer Mitte wird weiterhin geduldet. Diese kommt mit dem weniger Licht Art
gerecht ganz gut zurecht
Also eines ist sicher: Ohren, so wie wir diese als spezialisierte Organe zum Hören kennen, wurden bisher bei Bäumen nicht gefunden. Trotzdem meine ich, Bäume können auch hören, im Sinne der Wahrnehmung von durch Schall verursachten Schwingungen. Damit bin ich vollständig auf der Seite von Pflanzenneurobiologen. Auch manche Pflanzenfreundin und mancher Pflanzenfreund wird bestätigen können, dass ihre Zimmerpflanzen besser wachsen, wenn man mit ihnen spricht oder schöne Musik vorspielt. Forscher haben das auch getestet und sind dabei durchaus zu Resultaten gelangt, welche den Schluss zulassen, dass Pflanzen offenbar auch akustische Signale aufnehmen können.
Wie das geschieht ist noch nicht so richtig klar. So kann zum Beispiel vermutet werden, das Zellen über die Zellmembran,  die von Tönen ausgehenden Schallwellen spüren und differenzieren können. Wir selbst spüren ja auch starke Schallwellen durch "Mark und Bein" - besonders die Vibrationen, welche kräftige Bässe hervorbringen. Auch Insekten hören ohne die uns bekannten Ohren, sondern über Vibrationssensoren wie z.B. feinen Härchen. Warum sollen Pflanzen das nicht auch können oder gelernt haben? Und genau besehen, machen unserer Ohren auch nichts anderes, als über eine sinnreiche Mechanik Schallwellen in für das Gehirn verwertbare elektrische Signale umzuwandeln.
Mir persönlich ist eher unklar, warum sich bei Pflanzen solche Fähigkeiten hätten entwickeln sollen. Was nutzt einem Baum hören zu können? Aber es geschieht so vieles in der weiten Welt der Natur, was ich nicht verstehe und selbst Fachwissenschaftlern Rätsel aufgibt. Man merkt es schon daran, dass ernsthafte Wissenschaftler völlig entgegengesetzte Meinungen zum Thema können Pflanzen hören vertreten. Der Schöpfer Natur fragt eben nicht unbedingt nach dem Sinn einer Entwicklung.
Was im übrigen die Musik angeht, bei Pflanzen ist offensichtlich klassische Musik mehr angesagt als moderne  Rockmusik. Was auch daran liegen könnte, das bislang mit der falschen Musik experimentiert wurde. Ob dabei auch meine Lieblingsmusik (Frank Zappa) eingesetzt wurde, entzieht sich jedenfalls meiner Kenntnis.


Aber zum Umgang der Bäume mit Lärm. Das durchschnittliche Lebensalter eines Berliner Straßenbaumes soll bei etwa 60 Jahren liegen. Die Bedingungen in der modernen Großstadt sind sicherlich nicht optimal, um für einen Baum ein langes Leben zu ermöglichen.



Unterhalb der Erde ist es nicht leicht, an die richtigen Nährstoffe zu gelangen. Auch mit der Beschaffung von Wasser sieht es bei den versiegelten Stadtlandschaften eher schlecht aus. Oberhalb der Erde hat der Baum ebenso mit schädlichen Einflüssen zu tun. Stadtluft ist möglicherweise auch für Bäume nicht gesund  - das für uns als schädlich betrachtete CO2, wird dem Baum allerdings eher als positives Nahrungsangebot erscheinen. Die großen Häuser treten als "Konkurrenten" im Kampf um das Licht auf. Künstliches Licht zur Nacht, erschwert vielleicht die Unterscheidung in Tag und Nacht. Überdies schneidet der Mensch an den Bäumen herum, um seine Autos zu schützen und vollzieht dieses bestimmt nicht immer qualifiziert. Außerdem pflanzen wir Menschen die Bäume, was unter anderem auch bedeutet, das nicht der Baum, sondern der Mensch den Standort festlegt. Dieser somit nur selten optimal ist. 
Wir sehen schon an dieser kleinen Auswahl, das es viele Faktoren gibt, welche das Wachstum eines Baumes bestimmen. Inwieweit Lärm - oder sagen wir Schall, denn Lärm enthält ja bereits die menschliche Bewertung von Geräuschen, das Baumwachstum und zu frühes Ableben beeinflusst, ist schwer aus all den beeinflussenden Faktoren herauszufiltern. Selbst der Vergleich von gleichartigen Bäumen an der lauten Hauptstraße und der stillen Nebenstraße hilft wenig. Sind doch alle anderen Einflüsse auch anders. Streng genommen ist nicht einmal klar ob inwieweit diese Schallwellen gar positiv wirken. Wir werden also warten müssen, bis wir die Sprache der Bäume richtig verstehen und wir das im Interview mit dem Baum klären können. Bis dahin lese ich etwas darüber, wie man Bäume versteht.

Diese Platane ist ein wenig geneigt. Allerdings nicht so, wie ich es erwarten müsste. Demnach sollte sie genau entgegengesetzt geneigt sein. Süden ist im Bild nämlich links. Von dort kommt das kräftigste Sonnenlicht. Von der rechten Seite (Norden) kommt dafür Regen und Wind. Man erkennt es an der durch Moos grün gefärbten Rinde des Baumes. Auch ist der Stammquerschnitt stromlinienförmig oval in Nord-Süd Richtung. Warum macht der Baum das also? Gibt es möglicherweise starken Wind von Süden, welcher durch die lange und hohe Häuserzeile der Schulze-Boysen-Straße genau auf den Baum weht? Ich weiß es nicht, habe selbst jedoch bisher nur kalten Nordwind wahrgenommen. Was jedoch auch daran liegen könnte, das mir warmer Südwind angenehmer erscheint.
Vielleicht ist für ihn an diesem Ort die Nahrungsaufnahme wichtiger, als möglichst viel Sonnenlicht für dessen Verarbeitung zu bekommen. Denn durch die leichte Neigung, ist er etwas dichter an der stark befahrenen Frankfurter Alle dran und erhält dadurch mehr CO2    (Kohlendioxid). Das ist für einen Baum ein ganz wichtiges Nahrungsmittel, wie wir wissen. Aus dem Kohlendioxid wird über den Prozess der Photosynthese, energiereiche Glukose als der Nährstoff des Baumes generiert. Nahe an einer stark befahrenen Straße ist für den Baum also mehr Nahrung zu erhalten, als hinter den Häusern. Ich gebe zu, meine Vermutung ist nicht sehr wissenschaftlich fundiert. So gerät der Baum durch die Schieflage möglicherweise auch ein wenig stärker aus dem Schatten eines 20 m östlich gelegenen Hochhauses. Wie bei uns Menschen ist die Entscheidung auch aus einem Gemenge von Bedingungen zu verstehen, von welchen wir beim Beispiel dieses Baumes die Mehrzahl nicht kennen oder erkennen. Der Gedanke das der Baum "schnüffelt" würde bedeuten, das Bäume riechen können. Oder präziser gesagt - sie können Duftstoffe differenzieren. Beobachtungen und Forschungen, scheinen das zu belegen. Bereits vor Jahren las ich das Beispiel mit den Akazien in der Savanne (einfach mal unter wood wide web googeln). Als weitere Möglichkeit fällt mir ein, dass der Baum einfach entschieden hat, das sich besser gegen den kalten Nordwind zu wehren ist, wenn man sich ihm entgegenstellt. Als Mitglied der GdLb (Gewerkschaft der Laubbäume) setzt er damit einen Beschluss um. So zieht der Wind nicht nur an seiner Verankerung, sondern drückt ihn fest in den Boden. Wer bei windigem Regenwetter unterwegs ist, weiß was ich meine.



Das beugen über stark befahrene Straßen, um von den Häusern weg, lichtintensivere Bereiche zu erobern,  ist mir gerade bei Platanen  auch schon anderenorts aufgefallen. Im Vergleich ist das besonders deutlich. Auf meinem Arbeitsweg stehen Ginkgo, Linde und Platane als Straßenbaum an einer Hauptstraße. Während Ginkgo und Linde ziemlich gerade wachsen (was zeigt das diese entweder genügsamer sind oder effektiver mit dem Sonnenlichtangebot umgehen) und nur etwa einen Meter von der idealen Senkrechten abweichen, verbiegen sich die Platanen und legen 5 m und mehr aus. Sie stehen dann mit der Krone über der Fahrbahn. Dafür weichen die Bäume um bis zu 30 Grad von der vertikalen Ausrichtung ab. Bei diesen Bäumen beträgt die Neigung bereits am unteren Teil des Stammes 20 Grad, um zu Ende hin bogenförmig zuzunehmen.