Donnerstag, 29. November 2012

Pinus ponderosa - Gelb-Kiefer + (116)


Familie: PINACEAE
Gattung: Pinus


Schon wieder eine Kiefer? Ja, so ist es. 3 1/2 Wochen den Wahlen in den USA ein Gast aus diesem nordamerikanischen Staat. Hier ist Pinus ponderosa der Staatsbaum von Montana - dort gewann übrigens Romney. Aber das nur am Rande. Die Gelb-Kiefer ist ein harter Typ. Schweres Holz, hart gegen Kälte und Hitze. Diese Bäume vertragen auch mal einen Waldbrand.

Die Nadeln des Baumes stehen im dreier-Pack und sind ziemlich lang. Die von mir gemessenen sind etwa 13 cm lang und sehr harzig, wenn man sie durchschneidet oder zerreibt. Der Habitus des Baumes zeigt uns eine kegelförmige Krone und etwa waagerecht, bis leicht aufwärts gerichtete Äste, welche die Zweige wie Kerzenleuchter tragen. In ihrer Heimat können sie auf ihrem geraden Stamm, eine Höhe von 70 m erreichen. Die Borke meines Baumes ist längsrissig gefurcht und lässt darunter eine rötliche Färbung sehen.
Sehr schön sind die knapp 10 cm langen und an der Basis bis 6 cm breiten Zapfen, dessen Schuppen sich in geschlossenem Zustand wie eine Spirale zur Spitze hin winden. An ihrem außen liegenden Ende, tragen die Schuppen scharfe Spitzen. Auch das trägt zu ihrem guten Aussehen bei. Auffällig an den auf dem Boden liegenden, herabgefallenen Zapfen, ist die fehlende Zapfenbasis. Sie wachsen nämlich in Gruppen direkt am Ast.

Nachtrag November 2013: den Baum gibt es leider nicht mehr. Er wurde bei einer großflächigen Vernichtungsaktion, neben anderen Bäumen gefällt.




Sonntag, 25. November 2012

heimisch


Von der großen Anzahl von Bäumen und Strächern, es gibt auf der Erde 650 bekannte Nadelbaumarten, bei Laubbäumen geht die Zahl in die Tausende - ich las schon von 30.000, leben die wenigsten in Mitteleuropa.

Mein botanischer Garten Berlin-Lichtenberg liegt inmitten des Landes Brandenburg. Was schätzen Sie denn so, wie viele Arten davon in Brandenburg heimisch sind?



Es werden ungefähr 50 sein. Das ist in etwa 1/4 bis 1/3, der in Mitteleuropa heimischen Arten. Viele uns bekannten Baumarten wie Fichte, Tanne oder Kastanie und Robinie gehören nicht dazu.

Den Bestand hier im FAS habe ich jetzt einmal hinsichtlich ihrer Herkunft erfasst. Von den heimischen Gehölzen sind hier etwas mehr als 30 zu finden. Das sind 2/3 der heimischen Gehölze. Darunter befinden sich alle drei heimischen Ahorn-Arten (Feld-, Spitz-, Berg-Ahorn), Schwarz-Erle, Hänge-Birke, Hain-Buche, Hasel, Weißdorn, Buche, Esche, Eiche, Silber-Weide, Winter-Linde (Sommer-Linde ist nicht heimisch!) und Berg-Ulme. Die große Vielfalt von deutlich mehr als 100 Arten, entsteht durch viele Gäste aus anderen Teilen Europas aus Nord-Amerika und Asien. Gut das sie da sind.
Allerdings ist diese Unterteilung wirklich nur sehr grob. Das wird klar wenn wir mal auf einer Karte nachschauen, wie groß Asien ist und wie unterschiedliche die Bedingungen bereits im kleinen Europa sind. +






in unserer Region heimisch: Berg-Ulme

Donnerstag, 22. November 2012

Berlin Friedenau - Crataegus vernichtet


Über meinen Arbeitsweg wollte ich schon lange mal einen Beitrag schreiben. Der Anlass sollte allerdings angenehmerer Art sein als jetzt. Auf diesem Weg komme ich in Friedenau an vielen ganz tollen Bäumen vorbei. Besonders die Weißdorn-Bäume haben es mir angetan. Ein kleiner, jedoch sehr nützlicher Baum. Gibt er doch Obdach für viele Insekten, Singvögel und Kleinsäuger. Friedenau ist so etwas, wie der Ort des Weißdorns*. So stehen z.B. in der Holsteinischen Straße sehr schöne und alte Exemplare, mit einem Brusthöhenumfang von mehr als einem Meter. Für einen Crataegus, so der lateinische Name des Baumes, ist das erstaunlich viel. Den stärksten habe ich mit mehr als 1 1/2 Meter vermessen. Genau an der Einfahrt zu den Garagen an der Dickhardtstraße Nr. 31.  Leider ist gerade dieser Baum nur noch auf Google Street-View zu sehen. Er wurde dieser Tage Opfer einer Baustelle. Dort baut eine Firma, an Stelle der nun abgerissenen Garagen, Eigentumswohnungen. Dabei hat man den Baum einfach ausgerissen. 

Da würde mich schon einmal interessieren, ob und warum der Fällung dieses Baumes zugestimmt wurde. Es ist anzunehmen, dass dieser Baum gepflanzt wurde als man 1871 mit dem Anlegen des Ortes Friedenau begann - vielleicht aber stand er damals bereits und wurde stehen gelassen. Der Baum wäre also nicht nur schutzwürdig als Baum, sondern auch als Zeitzeuge der Ortsgründung gewesen! Lt. Internetrecherche habe ich jedenfalls festgestellt, dass die Gebäude Nr. 30 - 33 in den Jahren zwischen 1870 und 1899 entstanden.  Ein wenig traurig stimmt mich auch, dass der Vorgang in der Öffentlichkeit völlig unbeachtet blieb. Man stelle sich vor, die nur 100 m vom Ereignisort befindliche, etwa gleichaltrige Kaisereiche würde über Nacht gefällt!

Mit einer Initiative will der Berliner Senat etwas für Stadtbäume tun. Insgesamt 10.000 neue Straßenbäume sollen gepflanzt werden. Die Bürger wurden aufgerufen zu spenden. Bei 500 Euro Spende erhält dann der Baum auch den Namen des Spenders. Nun - einen Baum mit meinem Namen wird es nicht geben, 500 Euro sind ganz schön happig. Etwas dazu zu geben, habe ich mir jedoch vorgenommen. Mir gefällt das viele Grün in Berlin.

Die Entfernung des Crataegus erachte ich als Frevel und in Widerspruch zur verkündeten Initiative stehend.

Spenden werde ich dennoch, wenn auch mit Bauchschmerzen. Stelle ich mir doch vor, wie in vielleicht 100 oder 150 Jahren, der von mir mitfinanzierte Baum beseitigt wird. Für etwas, wovon ich mir heutzutage vermutlich nicht einmal vorstellen kann, das es so etwas gibt.

* Es gibt in Friedenau sogar eine Straße für diesee Baumart. Die Rotdornstraße verbindet die Wiesbadener mit der Stubenrauchstraße. Rotdorn ist ein Name für den rotblühenden Crataegus.



Links: einer der kleineren Brüder des Opfers. Holsteinische Straße. Etwa 1 m Umfang, 100 Jahre alt und mit ca 8 m ähnlich hoch wie der zerstörte Baum. Unter Crataegus gilt man damit als Riese.


Mittwoch, 21. November 2012

Prunus laurocerasus - Lorbeer-Kirsche (115)

Familie: ROSACEAE
Gattung: Prunus


als Strauch "getarnt"
ich bin ein Baum
Blüten
Ganz den Nadelbäumen wollen unsere Laubbäume, das Feld des Spätherbstes und Winters nun auch nicht überlassen. Auch Ende November kann nämlich, zum Beispiel der Kirschlorbeer auch noch mit Blättern prahlen. Diese sehen nicht nur so aus wie Lorbeerblätter, sie haben auch in etwa die Konsistenz von (trockenem) Lorbeerblatt. Man hat beim Anfassen ständig das Gefühl, die Blätter zu zerbrechen. Dabei fühlen diese sich ledrig an, sind auf der Oberseite glänzend dunkel- und unterseits hellgrün. Allerdings - zum Würzen der Speisen sollte man sie nicht einsetzten. Alles an der Pflanze ist giftig. Auch die Früchte, wenn auch nicht so stark - wie ich las. Wenn man sie zu Mus oder Marmelade kocht ist dieses Produkt nicht mehr giftig. Jetzt im November steht das sowieso nicht mehr zur Debatte. Es sind keine Früchte mehr da. Wenn man ein Blatt zerreibt riecht das stark nach Bittermandel - also Blausäure.
Prunus laurocerasus zeigt sich als immergrüner, kleiner Baum, welcher sich häufig wie ein Strauch darstellt. Bereits kurz über dem Boden teilt er sich dann in mehrere Stämmchen, welche fast waagerecht zum Oberfläche wachsen können und die Pflanze dann nur etwa 1 - 1 1/2 m hoch werden lassen. Manchmal aber traut er sich auch senkrecht zu wachsen. Dann soll er auch über 5 m hoch aufragen. Hier im FAS gibt es jede Menge Prunus laurocerasus. Hätte ich ihn mit in die Baumzählung aufgenommen, wäre er ein Konkurrent von Crataegus geworden.
Um noch einmal zu den Blättern zurückzukehren. Bis zu 15 cm Länge habe ich gemessen. Sie sind meistens glattrandig, Ich habe aber auch leichte Zähnung beobachten können. Der Rand ist leicht nach unten eingekrümmt. 

Samstag, 17. November 2012

wie geht es weiter?

die Blätter der sommergrünen Gehölze sind nach und nach zu Boden gefallen und wurden von der BSR eingesammelt. An vielen Stellen auch, mit Hilfe von laustarken Gebläsen unter den Sträuchern weggeholt. So hatten sich die Bäume das eigentlich nicht gedacht. Denn die Blätter sollen doch auch Wärme für Sträucher spenden und zu wertvollem Humus werden, deren Inhalte somit vor Ort im Kreislauf bleiben. In diesem haben sie eigentlich eine wichtige Funktion. Nun bekommen das Andere. Ein wenig unfair ist das schon. Manchmal ist das aber gut für den Nachbarbaum. Denn manche Bäume arbeiten mit "schmutzigen Tricks" und bringen über alte Blätter Stoffe in den Boden, welche andere Arten am Wachstum hindern. Sie halten sich somit sozusagen den Boden frei, für sich und ihre Nachkommen. Walnussbäume machen das zum Beispiel so. Gehört zur Allelopathie - Beeinflussung anderer Pflanzen durch Stoffwechselprodukte. Diese kann hemmend oder auch fördernd wirken.

Wie geht es nun aber weiter mit dem Blog? Viel an weiteren Gehölzen gibt es sicherlich nicht zu entdecken. Obzwar - einige Pfeile habe ich auch in dieser Hinsicht noch im Köcher. Und außerdem ist die Natur etwas durchaus dynamisches. Es gibt immer wieder Neues zu sehen und zu erforschen. Auch über bereits Bekanntes. Wie erst am vergangenen Wochenende erlebt, gibt es manchmal auch Erkenntnisgewinn, welcher zu kompletten Änderungen von Beiträgen zwingt. So werden also auch in der dunklen Jahreszeit weitere Beiträge folgen. Wir kennen keine Depression in der sogenannten dunklen Jahreszeit.

Was nehmen wir heute für ein Foto? Mal wieder ein Tier. Diesmal eine kleine Meise. Aufgenommen beim Besuch im Botanischen Garten Dahlem. Wie zutraulich diese kleinen Vögel sind, zeigt uns dass Verhältnisse wie im Garten Eden durchaus herstellbar sind. Die Tiere dürfen einfach keine negativen Erfahrungen mit uns Menschen machen.


Donnerstag, 15. November 2012

ein Stadtbaum hat es nicht leicht




auf einer Internetseite las ich, dass Bergahorn ein natürliches Alter von 400 - 500 Jahren erreichen kann. In Klammern ist dort allerdings vermerkt: "Stadtgebiet: ca. 100". Wenn das nicht nachdenklich stimmt.

Solch Baum im Stadtgebiet hat es tatsächlich nicht leicht.

Gifte aus Autoabgasen wirken permanent auf ihn (wie übrigens auch auf uns) ein. Und das immer mehr. Fahren wir doch durch moderne Motorentechnik immer "sauberer und umweltbewusster" - reden wir uns jedenfalls ein. Obwohl - das CO2 dürfte den Bäumen gefallen.

oben: einer der wenigen älteren Bäume im Kiez, welche nicht stark beschnitten wurden. Lediglich einige Äste wurden gekürzt. Ein schöner und sichtbar ausbalancierter Baum. Er neigt sich nicht dem Wind, sondern einem Hochhaus ab, um mehr Sonne zu bekommen.


Besonders Stadtbäume werden permanent mechanisch beschädigt. Nicht durch ein Versehen oder Unachtsamkeit (kommt sicher auch vor), sondern hauptsächlich durch das bewusstes Entfernen, von uns Menschen störenden Ästen. Wir nennen es Verkehrsicherungspflicht, wenn wir mögliche Schäden an KFZ über tatsächliche Verletzungen von Bäumen stellen. Fettgedruckt zur Errinnerung: Bäume sind Pflanzen und sorgen im Verbund mit der Sonne dafür, das wir existieren und überleben. Beim Wandern durch meinen Kiez treffe ich kaum mal auf einen Baum, welcher nicht Wunden von abgesägten Ästen hat. Häufig sind es 20 und mehr solcher Verletzungen. Solche Wunden zu schließen und auch das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen und in die Wunden eindringende Angreifer abzuwehren, fordert von einem Baum, welcher in der Stadt sowieso nur selten über optimale Wachstumsbedingungen verfügt, sehr viel Kraft. Besonders die Pappeln bieten nach dem Laubabwurf einen jammervollen Eindruck. Die Fotos von zwei Eschen-Ahorn und einer Eiche, sind nur zufällig ausgewählte Beispiel solcher Beschneidungen.


Da es in der Großstadt eigentlich nie richtig dunkel wird, kommt für die Mehrzahl der Bäume noch die verringerte Lichtdifferenz zwischen Tag und Nacht dazu.

Ein echter Fachmann wird sicherlich noch weitere Probleme finden. Ich halte diese drei schon für erheblich und danke jedem Baum, der es trotzdem mit uns aushält.

Übrigens: während Mancher beklagt, es hätte dieses Jahr noch keinen Sommer gegeben - ich habe in der Stadt bereits jetzt (Mitte Juli!) Bäume gesehen, welche ihr Herbstkleid angelegt haben. Das mag gut aussehen. Zeichen eines gesunden Baumes ist es nicht. Bezeichnenderweise stehen diese Bäume (Spitz-Ahorn) in der Mitte einer sehr belebten Straße, sind dort von links und rechts den Abgasen ausgeliefert und stehen auch nachts voll im Licht.

In der Ausgabe 46 Der Berliner Woche (14.11.2012) konnte ich nachlesen, dass in Lichtenberg 32.000 Straßenbäume leben. Wie für die gesamte Stadt Berlin ist im Moment die Tendenz aber negativ. Es werden mehr Bäume gefällt, als neu angepflanzt. Nach Angaben von Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel, werden jährlich bis zu 50 Bäume neu gepflanzt. Durch eine Kampagne sollen in Lichtenberg 200 Straßenbäume (in Berlin bis 2017 10.000) dazu kommen. Für eine Spende von 500 Euro - das ist immerhin mehr als der Hartz IV Regelsatz - kann man dem Baum sogar seinen Namen geben. Ob man dafür auch das Recht erwirbt mitzureden, wenn es darum geht den Baum wegen der Verkehrssicherungspflicht zu beschneiden oder gar zu entfernen, wird nicht vermerkt. Es können auch kleinere Beträge gespendet werden. Über einen Link bekommt man ab 1.12. ein Spendenformular angezeigt. Wenn nur jeder hundertste Berliner jeweils 5 € spendet, sind die ersten 350 Bäume bereits finanziert. Positiv an dieser Kampagne sehe ich die offensichtlich vorhandene Erkenntnis über die Wichtigkeit von Bäumen. 1000 Euro kostet die Neupflanzung eines Baumes in Berlin. Ein Grund mehr, sorgsam mit den vorhandenen umzugehen.

Das Original dieses Blogbeitrages stammt vom 19.07.2012. Am 15.11.2012 ergänzt und neu veröffentlicht.

Dienstag, 13. November 2012

Pinus cembra - Zirbel-Kiefer (114)


Familie: PINACEAE
Gattung: Pinus

Schon unsere vierte Kiefernart. Auch Arve genannt. Sie steht gleich am Eingang in das FAS-Arboretum und ist auch noch ziemlich klein, was wohl auch an den eher nicht optimalen Bedingungen liegt. Licht hat der lichtbedürftige Baum hier zwar genug, es fehlt jedoch die erforderliche Ruhe und saubere Luft. Jedenfalls können wir den Baum auch im November grün zeigen.









Pinus cembra kann etwa 25 m hoch werden und gehört damit zu den kleineren Nadelbäumen. Er ist jedoch ausgesprochen hart gegenüber dem Frost und wächst noch in 2 1/2 km Höhenlagen.
Erwachsene Bäume haben eine flache, schirmartige Krone. In ihrere Jugend sind sie, wie die Menschen noch schlank. Dann wirken sie wie ein Kegel mit sehr schmaler Krone. So wie es das Foto unseres Exemplares zeigt. Die, für Kiefern mittellangen Nadeln (ich habe sie hier mit 7,5 cm vermessen), stehen jeweils zu fünft und haben im Alter keine Nadelscheide. Im Querschnitt sind die Nadeln dreieckig, mit deutlich sichtbaren weißen Spaltbändern.
Die als Samen in den Zapfen enthaltenen Zirbelnüsse sind essbar und sollen schmackhaft sein. Ich konnte das nicht probieren, dafür ist mein Baum noch zu jung. Diese bilden sich erst mit etwa 50 Jahren. So fängt die Arve mit ihrer Geschlechtsreife in einem Alter an, in welchem es bei vielen Menschen mit der Fähigkeit der Fortpflanzung bereits aufhört. Übrigens ein interessanter Wortstamm: pflanzen. So spät reif zu sein, ist kein Problem für jemanden, der 1000 Jahre alt werden kann.
Die Borke des Stammes der Arve ist schuppig und dunkel.


























Wie wir am Hintergrund erkennen, ist das Foto nicht ganz aktuell. Es entstand bereits Ende September, als die Laubfärbung der Laubbäume gerade erst zaghaft begann.

Sonntag, 11. November 2012

Chamaecyparis lawsonia - Lawsons Scheinzypresse (50)

Familie: CUPRESSACEAE
Gattung: Chamaecyparis

Diesen Beitrag musste ich völlig neu schreiben. Denn was ich bisher als Chamaecyparis lawsonia angeboten habe, stimmte ganz offensichtlich nicht. Die gezeigten Bäume sind vermutlich nicht einmal Chamaecyparis. Mein Trost: die Botaniker des 19. Jahrhunderts hatten da auch ihre Probleme und ordneten die Bäume noch der Gattung Cupressus zu. Und die Nutka-Scheinzypresse (Xanthocyparis nootkatensis) sind erst vor 10 Jahren wieder aus der Gattung Chamescyparis heraus in die neu gebildete Gattung Xanthocyparis (gelbe Zypresse) hinein gekommen. Und das auf  der Grundlage molekular-genetischer Untersuchungen, nachdem in 1999 in Vietnam eine neue Baumart entdeckt wurde.
Scheinzypressen haben abgeflachte Zweige und zweierlei Blätter - Flächenblätter und Kantenblätter. Durch die Überdeckeung entsteht auf den flachen Seiten der Zweige von Lawsons Scheinzypresse ein weißes Kreuzmuster. Die Zweige der Scheinzypressen sind alle in einer Ebene angeordnet. Bei Lawsons Scheinzypresse ist das üblicherweise Palmwedel artig ausgeprägt. Wichtiges Kennzeichen von Chamaecyparis lawsonia soll sein, dass die Hauptäste abwärts gerichtet sind. Das habe ich beim Großen Bruder meines botanischen Gartens an den großen Bäumen auch deutlich sehen können. Bei den kleineren Gartenformen scheint das aber nicht so zu sein. Die männlichen Blütenzapfen haben ein schöne rote Farbe. Ein weiteres Erkennungsmerkmal für Chamaecyparis lawsonia sind die verholzten Zapfen. Sie sind rund, haben einen Durchmesser von etwa 8 - 10 mm und 6 - 10 Zapfenschuppen. Die Spitzen dieser Schuppen sind deutlich eingesenkt.
in ihrer nordamerikanischen Heimat werden die Bäume 600 Jahre alt und erreichen Höhen von deutlich über 50 m, womit sie die größte Art der Scheinzypressen sind. Wie so oft, lebt es sich in der Fremde nicht so gut. Hier in Europa erreichen die Bäume nur etwa die Hälfte der zu Hause erreichbaren Größe. Auf dem Foto eines Baumes sehen wir ein weiteres typischen Merkmal - den überhängenden Wipfeltrieb.





Donnerstag, 8. November 2012

ein völlig verrückter Ahorn

links Stamm zwei, rechts Stamm eins. 
In der zweiten Reihe Stamm drei
mit den tanzenden Ästen.
nun sage mal einer, die Leute vom 
Lande sind brav und bieder! Schräge Typen hatten wir schon einmal im Blick. Aber der zu beschreibende Acer campestre (Feld-Ahorn) übertrifft diese, obwohl er ziemlich gerade steht. Er ist ansonsten alles andere als bieder, brav oder langweilig. Sofort nachdem er aus dem Boden schaut, teilt er sich erst einmal in drei Stämme. Das ist beim Ahorn ja nichts mit Neuigkeitswert. Allerdings entscheidet sich dieser Baum gleich wieder neu. Stamm zwei und drei wachsen daher einfach wieder zusammen. Allerdings erst einmal nur auf Probe um sich dann erneut zu trennen und - wieder zusammen zu wachsen. Auch diese Liaison hält nur kurz und "zerbricht" dann endgültig.
In der Zeit der ersten Trennung, bildet Stamm zwei einen Ast aus, um mit ihm den Fühler zu Stamm eins auszustrecken sowie mit ihm zu verwachsen. Auch das geht nicht ewig. Man trennt sich gütlich. Aber das Grünflächenamt nimmt dann einen endgültigen Schnitt vor und entfernt den Ast. Schade! So bleibt verborgen, wie es weitergeht.
Stamm drei lässt sich auch nicht lumpen und steht Bruder zwei in nicht nach. Nachdem es nämlich mit diesem nicht klappen wollte, teilt er sich in zwei starke Äste, welche sich zwei Mal vereinen und zwei mal wieder trennen. Dabei tanzen sie umeinander. Der langsame Walzer bei Acer ist seehhhrr, seehhhrrrr laaaangsaaammm!



von links: eins und drei. Im Hintergrund
die zwei mit dem "Fühler"-Ast















Im zweidimensionalen Foto lässt sich das gar nicht so richtig wiedergeben. Muss man einfach original sehen. Ich hoffe mal, das nicht irgendwann jemand auf den Gedanken kommt, den Baum zu fällen. Denn eigentlich gehört er unter besonderen Schutz gestellt. Hier der Film zum Baum.

Rein botanisch handelt es sich hier um einen Kuss oder Verschweißungen. Damit verhindert der Baum Selbstverletzungen dort, wo er sich an eigenen Teilen reibt. Beim Kuss bilden sich dämpfende Polster, bei der Verschweißung verwächst das Kambium. Gefunden beim Baumwächter.



die "Löcher" im Baum.

Montag, 5. November 2012

heimliches Paradies der Ruhe

Plattenbausiedlungen wird gern ein schlechtes Image unterstellt. Eine Meinung, welche ich, als Bewohner einer solchen Siedlung nicht nachvollziehen kann. Ich wohne gern hier, die Lage und Situation gefällt mir erheblich besser, als jene in einer Reihenhaussiedlung - was sicher Ansichtssache ist. Vor allem gibt es hier mehr grün, weil für die gleiche Wohnfläche erheblich weniger Grundfläche erforderlich ist. In meiner Siedlung "Frankfurter Alle Süd" (FAS) sind das üblicherweise 11 Wohnungen, welche auf der Fläche eines Reihenhauses stehen - übereinander.  Etwa 10.000 Menschen wohnen und leben hier.

Dominiert wird das Wohngebiet von Häusern in Plattenbauweise der 70er Jahre. Überwiegend sind das P2/11 Bauten, also Häuser mit 11 Geschossen. Aufgelockert wird das Ensemble durch zwei WHH-GT18 und drei WHH-GT18/21. Dieses sind Wohnhochhäuser mit 18 Etagen oder als Doppelhochhaus mit einmal 18 und einmal 21 Etagen. Komplettiert wird das Plattenangebot durch einige 5 und 6 geschossige Häuser. Ich denke mal WBS70.

Gelegen ist die Siedlung im Berliner Stadtbezirk Lichtenberg, unmittelbar an der Frankfurter Allee zwischen dem S/U-Bahnhof Frankfurter Allee und er U-Bahnstation Magdalenenstraße. Der Bahnhof Lichtenberg ist ebenso zu Fuß erreichbar wie die S-Bahn-Station Nöldnerplatz. Gut zu sehen ist das auf dem im Beitrag Turkish Airlines eingestelltem Luftbild.

Die Beschreibung klingt laut, nahe dem S-Bahnring und die Frankfurter Allee gehört sicher zu den am stärksten befahrenen und lautesten Straßen Berlins. Laut Lärmkarte liegt der Pegel oberhalb 75 dB(A). Das ist wirklich laut, wenn man eine Fensterfront zur Straße hat, mindert das den Wohnwert schon. Mit offenem Fenster kann ich also nicht schlafen. Aber das ist kein typisches Plattenbau-Problem, sondern einfach typisch für das wohnen in der Großstadt. Es gibt jedoch auch Aspekte der Stille - und darüber wollte ich eigentlich berichten.

Wenn es nach der Schicht wieder nach Hause geht, benutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Aller-dings fahre ich nicht die gesamte Strecke. Von der S-Bahn Frank-furter Allee gehe ich die restliche Strecke zu Fuß - das sind ein wenig mehr als 1000 Schritte. Dieser Weg ist pure Erholung und fast genau so angenehm für mich, wie ein Waldspaziergang. Über den hier beschriebenen Eingang betrete ich das FAS. Sobald ich durch das im nebenstehenden Bild zu sehende "Tor" gegangen bin, ist nichts mehr vom Straßenlärm der Frankfurter Allee zu hören. Die über 30 m hohen und 12 m breiten Häuser schirmen die Straßengeräusche vollständig ab und ich kann die Stille meines Dorfes genießen. Egal zu welcher Tageszeit. Das Geräusch, sich im Wind bewegender Blätter der Bäume, ist dabei häufig das lauteste Geräusch.
Das hier 10.000 Menschen leben merkt man nicht, auf den Straßen und Wegen innerhalb der Siedlung herrscht Kleinstadtidylle. Im Sommer, wenn es am Abend noch warm ist, sitzen auch am späten Abend noch einige Menschen auf den Bänken am "Dorfanger" - dem Kaufhallenplatz mit Springbrunnen.

Freitag, 2. November 2012

Larix decidua - Europäische Lärche (113)

Familie: PINACEAE
Gattung: Larix

ich hatte schon befürchtet, im FAS finde ich keine Lärche, welche ja auch aktueller Baum des Jahres 2012 ist. Freund Herbst hat mir bei der Suche durch seine Initialisierung des Laubabwurfes geholfen. Dadurch habe ich ich jetzt mehr und tiefere Einblicke. Jedenfalls visueller Art. Auf dem Gelände der Kindereinrichtung in der Harnackstraße steht einer dieser sommergrünen Nadelbäume aus der Familie der Kieferngewächse. Larix wirft nämlich, im Gegensatz zu anderen Nadelbäumen, seine Blätter ab. Die etwa 2 - 3 cm langen Nadeln der Lärche sind weich und stehen an Kurztrieben in Büscheln. An den Langtrieben stehen sie spiralig. Vor dem Abwurf färben sie sich wie bei Laubbäumen. Auch mit Nadeln wirkt die Lärche licht und hell. Sie ist so etwas wie die Birke unter den Nadelbäumen.
Lärchen können eine Höhe von etwa 40 m erreichen.






Die Lärche hat als Nutzbaum Bedeutung durch ihr hartes Holz - unter den heimischen Nadelhölzern, hat es die größte Härte.  Die Möbelindustrie freut das, für mich hier ist es eher bedeutungslos.
Eigentlich wollte ich noch ein Foto mit Laubfärbung einstellen - bislang tat mir der Baum aber noch nicht den Gefallen sich zu verfärben.





Als Nachtrag nun der Baum mit Herbstfärbung. Allerdings bei trübem Wetter in der Dämmerung aufgenommen.